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  • Die Irre von Chaillot
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    Jean Giraudoux (1882 - 1944)

    Diplomat, Erzähler, Essayist, Dramatiker, Drehbuchautor. Aufgewachsen in der mittelfranzösischen Provinz. Hochbegabter Schüler (auch in Sport!) und früher Liebhaber deutscher Kultur. Zwischen 1905 und 1908 bereist er Europa (u. a. mit einem Stipendium an der LMU in München); in Harvard fungiert er als Französischlektor. ▶ Zurück in Paris nimmt er eine Stelle bei der literarischen Zeitschrift Le Matin an und bekommt Kontakt zu Schriftstellern. Schreibt erste Erzählungen. 1910 Eintritt in den Auswärtigen Dienst als Vizekonsul. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird er eingezogen. Höchste Auszeichnungen, zweimalige Verwundung, 1916 Entlassung. ▶ Nach dem Ersten Weltkrieg betätigt er sich weiter als Diplomat und Autor von (vorwiegend) Romanen. Seine Karriere als Dramatiker beginnt erst 1928: Er adaptiert seinen in Deutschland spielenden Roman Siegfried et le Limousin für die Bühne; der große Louis Jouvet inszeniert. Ein neuer Theaterstil ist geboren: "Das poetische Theater der Phantasie und der Sprache" (Georg Hensel). Jouvet animiert ihn zu weiteren Dramen: Amphitryon 38, Der trojanische Krieg findet nicht statt, Undine - insgesamt wird er 16 schreiben, eines bleibt unvollendet. Einige - wie Die Irre von Chaillot, geschrieben 1943 während der Okkupation - werden posthum (1945) uraufgeführt. ▶ 1940 Ernennung zum Propagandaminister; unter seinen Mitarbeitern: Alfred Döblin. Wachsende Distanz des germanophilen Autors und Politikers zu Deutschland. Seine Stücke sind im besetzten Paris unerwünscht; 1941 tritt er in den Ruhestand. Ob er bei der Résistance war, ist umstritten. Im Januar 44 stirbt er, offiziell an einer Lebensmittelvergiftung, wahrscheinlich an Pakreatitis; gerüchteweise wurde er von der Gestapo vergiftet. ▶ Nach dem Krieg ist er in Deutschland der meist gespielte französische Autor. Man begeistert sich für die phantasievolle Anmut seiner Stücke, ihren Charme, ihre Poesie und Leichtigkeit, die Originalität und Vorliebe des Autors für magische (Sur-)Realitäten, skurrile Typen und schräge Vögel.

    "Deutschland ist ein großes menschliches und poetisches Land, von dem die meisten Deutschen heute keinen Gebrauch machen, für das ich aber bisher keinen gleichwertigen Ersatz gefunden habe."
    Jean Giraudoux

    "In seiner Stimme war ein Necken, in seinen Augen hinter der großen Brille ein Lachen, und sein Pudel führte ihn an der Leine wie einen jener Blinden der griechischen Tragödie, die das Unsichtbare sehen."
    Jean Cocteau über Jean Giraudoux