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31 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   

*Theaterereignis* ... *Bestes Volkstheater*

Premiere 21. Dezember 2013 | 20 Uhr

Letzte Vorstellung: 22. März
jeweils 20 Uhr

Gesucht: Till E.
Ein Eulenspiegel-Projekt
nach dem Volksbuch von Hermann Bote
und dem Eulenspiegelroman "Bracke" von Klabund

Bitte beachten Sie:
Die Aufführung ist für kleinere Kinder nicht geeignet.

Till 1: Der Punk
Auch: Alter Till, Anne 1,
Nadya, Vogelmädchen, Grieta u. a.

Judith Bopp

Till 2: Der Entertainer
Auch: Nonne, Bürger u. a.
Denis Fink

Till 3: Der Rebell
Auch: Pfaffe, Patin, Bürgerin u. a.
Sven Schöcker

Till 4: Der Dunkle
Auch: Doktor, Claus, Anne 2,
Bürger, Kurfürst u. a.

Sebastian Kalhammer

Till 5: Der Musikus
Auch: u. a.
Marcus Tronsberg

Regie
Andreas Seyferth
Regieassistenz
Astrid Polak
Eva Maria Reichert

Raum
Aylin Kaip
Kostüm
Johannes Schrödl
Licht
Jo Hübner
Fassung + Dramaturgie
Margrit Carls

Einen Mann hat Deutschland jeder Nation voraus:
Till Eulenspiegel.
J. C. L. Haken, 1791

Till Eulenspiegel:
Fahrender, Schalksnarr, Seiltänzer, Gaukler, Tagelöhner,
Nichtsnutz, Provokateur, Tabubrecher, Witz- und Wahrheitsverkäufer,
Outcast, Rebell, Ausbeutungs-Gegner, Fäkal-Virtuose, Auf-Alles-Scheißer,
auch mal Opfer: Seine Rollen sind Legion.
Held auf dem Schlachtfeld der Leichtgläubigkeit.
Lebendiger Geist, der Starres aufmischt
und zwanghaft Grenzen übertritt.
Seine Weisheit: Spann dein Seil!
Liebster Aufenthaltsort: Jenseits kleinbürgerlicher Moral
und staatsgewaltiger Maßregeln
(und darum insgeheim beneidet von Bürger und Machtmensch).
Motti: Muße statt Maloche. Allzeit fluchtbereit.
Schau, dass du stets als Letzter lachst.

(Mit ihm lacht, wer ihm nicht zum Opfer fiel…)

Der Volksbuch-Ur-Till (~1510):
Gewiefter Bauernsohn, der sich als Lonesome Rider von Beschiss zu Beschiss,
Land & Leute spiegelnd, durchs frühbürgerliche (Über-)Leben kämpft.
Klabunds Eulenspiegel Bracke (1918):
Reflektierter Narr mit Hang zum Übersinnlichen,
zu Damen und den "Ehrlosen",
der sich an seinem Herrscher festbeißt.

Bei uns im "Viel-Lärm-um-Nichts-Zirkus" der Zeiten gelandet:
Spiegelnd selbstverständlich auch das Heute.

Wobei: würde einer wie "Seiltänzer" Till
in unserer engmaschigen, nischenarmen Gesellschaft
auch nur ein Bein auf den Boden kriegen –
außer draußen vor der Tür oder drinnen in der Klapse?

"TILL mein Name. Eigentlich Tilldrick. Was soviel heißt wie Dietrich.
Nach- und Beiname Eulenspiegel. Auch Ulenspegel.
Die Eule steht für meinen IQ, der Spiegel für Kuck ma rein.
Zu dem Zweck lüfte ich auch gerne meinen Popo,
denn Ulen heißt FegenWischenKehren
und Spiegel in der Jägersprache ist eben genannter Popo,
im Ganzen: Kehr mir den Popo, wisch mir den Arsch."



Wer ist Till Eulenspiegel?

Im Laufe der Jahrhunderte
sind immer wieder Antworten gesucht und gefunden worden.
Man bezeichnete Till als Narren
und sah in ihm den Dummen und den Törichten,
den Schelmen und den Hanswurst,
den gemeinen Spötter, doch auch den reinen Tor.
Einige klassifizierten ihn als Skeptiker und Zyniker,
andere als Wahrheitsfanatiker und Zeitkritiker.
Man ernannte ihn zum Erzieher und zum sozialen Aufrührer
und bisweilen sah man in dem Helden des Volksbuches sogar den Weisen.
Manches Mal hat ein liebevoll umgehängtes Mäntelchen
den wahren Charakter Tills verdeckt,
der sich schillernd und vielseitig im Volksbuch offenbart. […]
Till war ein Schalk in jeder Hinsicht,
"sowohl ein grober, arglistiger Betrüger, als auch eine Person,
welche andere durch ein unschuldig erscheinendes Betragen
nur im Scherze zu hintergehen suchte."
Wolfgang Lindow: Der Narr und sein Publikum, 1971

 

Klabund bürgerlich Alfred Henschke
Sein erfolgreichster Roman war "Bracke",
sein meistgespieltes Theaterstück "Der Kreidekreis" –
Vorlage für Brechts "Kaukasischen Kreidekreis".
Marcel Reich-Ranicki über den mit 37 Jahren an Tuberkulose Verstorbenen:
"Er war ein unermüdlicher Vielschreiber. Alle Stile waren ihm recht. Im Wettlauf mit dem Tode dichtete er sein Leben und lebte er seine Dichtung. Ein Gehetzter und Verlorener, ein Taumelnder ließ er seinen Weg bis zuletzt von poetischer Phantasie bestimmen. Klabunds Poesie ist so vielseitig wie seine Lyrik und seine Prosa. Seine Verse sind zart und derb, sensibel und vulgär. Man sang Klabund am Kurfürstendamm und in allen Luxushotels, er wurde in den elendsten Berliner Vororten und in den Obdachlosenasylen gelobt und gerühmt. Ganz Berlin deklamierte auf seine Weise „Ich baumle mit de Beene, / Mit de Beene vor mich her.“ Immer wieder gelingt ihm die Verbindung des Schwermütigen mit dem Flotten und des Graziösen mit dem Kessen."
Marcel Reich-Ranicki, 2010, faz.net.

 

Trailer Gesucht: Till E.

 

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