George Brant

Am Boden [grounded]

Produktion: Theater VIEL LÄRM UM NICHTS

1/4

Mit: Katrin Wunderlich, Ardhi Engl Regie: Eos Schopohl Raum & Kostüm: Lucia Nußbächer, Nina Strukamp

Klang & Videos: Ardhi Engl Lichtdesign: Jo Hübner Technik: Max Reitmayer

Der packende Monolog (uraufgeführt 2013) gewährt uns Einblick in die Welt des »drohnenbasierten« Kriegs. Vernichtung ohne Feindberührung. Eine Flugleitstelle nebst Relaisstation steht bekanntlich in Deutschland: die berüchtigte Ramstein Air Base. Von deutschem Boden geht Krieg aus. Dem »unglücklicherweise« immer wieder Zivilisten zum Opfer fallen. Auch für die Bundesrepublik wünschen sich einschlägige Kreise seit längerem bewaffnete Drohnen... und werden sie (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) bekommen.

Die Heldin ist eine F-16-Kampfpilotin, mit Leib und Seele. Ein Adrenalinjunkie. Dann die Begegnung mit Eric. Schwangerschaft, ungewollt. Erstmal Schluss mit F-16. Dafür Samantha, das Kind. Drei Jahre hält sie es aus. Dann meldet sie sich zurück. Doch ihr Arbeitsplatz ist nicht mehr das Blau des Himmels, sondern das Grau der Monitore in einem klimatisierten Anhänger in der Nähe von Las Vegas, von wo aus sie Drohnen über Afghanistan steuert: »War on Terror«. Statt F-16 nun also eine Reaper (»Sensenmann«). Sie kämpft sich weitab vom Schlachtfeld durch 12-Stunden-Schichten; tötet tagsüber »Terroristen«, die kein Gericht je schuldig sprach (der Schießbefehl kommt anonym per Kopfhörer, das Ziel ist kaum eindeutig zu identifizieren), und ist abends Frau und Mutter. Bis die Grenzen zwischen Privatleben und virtuell-realer Menschenjagd sich auflösen und das Grauen sie einholt...

Übersetzung: Henning Bochert

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

PRESSESTIMMEN

"Der überzeugende Abend von Eos Schopohl erzählt [...] eindringlich, ohne gefühlig zu werden [...]. Katrin Wunderlich spielt den einstündigen Monolog mit feinen emotionalen Nuancen, Klarheit und Präsenz. Bei ihrem ersten Kampfeinsatz, mit unbeweglichem Körper am Mikrofon stehend, wird ihr Gesicht selbst zur Drohne [...]. Ferngesteuert; als wäre sie sich bereits seit langer Zeit selbst fremd. [...] Einzig Ardhi Engls wundersam sureal verzerrte Klänge entführen einen immer wieder in eine Sphäre fern des Kriegs."

Süddeutsche Zeitung

"... vom ersten Moment an packend. [...] Im Hintergrund lässt Ardhi Engl mit seinem fantastisch vogelwilden Instrumentarium live den Soundtrack durch den Raum schweben. [...] Ganz allmählich verrutschen das ferngesteuerte Killen mit Joystick in einem weit entfernten Krieg und das Familienleben mit Mann und Kind zu Hause ineinander. Zärtliche Mutter und professionelle Massenmörderin rutschen verhängnisvoll ineinander – ein brisantes Thema, ein starker Text und ein intensives Solo."

Abendzeitung

"Bravourös ist es der Schauspielerin gelungen, den Charakter der Pilotin differenziert und überzeugend darzustellen. In dieser einen Stunde hat sie die komplette Bandbreite der menschlichen Gefühle vor dem Publikum ausgebreitet. Ardhi Engl hat das Theaterstück mit ungewöhnlichen, faszinierenden Klängen und Videos begleitet."

Münchner Merkur

"Im Theater Viel Lärm um Nichts stellt die feinfühlige Regisseurin Eos Schopohl ihre Darstellerin in einem minimalistisch schwarzen Raum (Lucia Nußbächer) vor ein Mikrofon. Katrin Wunderlich erzählt und spielt mit stetig wachsender Spannung die Emotionen der Kampfpilotin: Warum sie sogar im Container in ihren Kampfanzug schlüpft, wie ihr Mann zu Hause darauf reagiert, wie sie ihre kleine Tochter liebt. Schattenspiele und Videoeinblendungen deuten an, welche Bilder in ihrem Kopf sich mit der Realität überlappen. Ardhi Engl macht mit seinen wundersamen Musikgeräten live die flirrende Vermischung der Wahrnehmungen hörbar. Und Katrin Wunderlich zeigt in Schopohls Regie hochkonzentriert und hochspannend, wie ein Mensch an seine psychischen Grenzen gelangt, bis er am Boden ist."

Münchner Feuilleton