Bocksgesänge Ziegenlieder

Ein satyrischer Jahrtausendreigen

von Margrit Carls

Premiere: 16. Dezember 1998


Regie: Andreas Seyferth Musik: Gerrit ten Berk de Boer Bühne: Peter E. Schmid Kostüme: Uschi Burger Masken: Annabelle Pörtner Lichtdesign: Jo Hübner Presse/Technik: Cornelia Rapp



mit

Dunja Bengsch als Klotho Platschfuß

Julia / Maria / Kunstfrau / Frau Glaubeleichthin

Sophia / Frühlings-Eselin / Hexe

Inga Blümeling als Lachesis Lippe

Papagena / Krippen-Eselin / Kunstfrau / Frau

Zanckenheimin / Camilla / Sau / Blinde / Hexe

Margrit Carls als Atropos Breitdaum

Gretchen / Krippenkuh / Frau Seuffzerin

Pennerin / Schlange / Besoffene / Hexe

Martin Cambeis als Rüpel

Hardy Hoosman als Engel

Winfried Hübner als Wastel

Papageno / Josef / Kunstmann / Dichter im Tunnel

Rousseau / Squenz / Richter / Augustin

Dolmetsch / Pleitos

Wolfgang Rommerskirchen als Seppel

Faust / Hirte / Kunstmann / Gottsched

Horribilicribrifax / Ahne / Schreiber

Chrysostemus / Plöton / Herakles







Die Verfasserin des Abends bedankt sich bei:

Herrn Shakespeare, Herrn Goethe, Herrn Kleist, den Herren Gebrüdern Grimm, Herrn Tieck, Herrn Gryphius, Herrn Aristophanes, Herrn Plautus, Herrn Rousseau, Herrn Gottsched, Herrn Tertullian, Herrn Chrysostomus, Herrn Augustinus, Herrn Odo und Herrn Plato für Ihre Unterstützung beim Zustandekommen dieses Abends. Und natürlich beim Kulturreferat der Landeshauptstadt.


PRESSESTIMMEN


Zweieinhalbtausend Jahre Theatergeschichte im Schnelldurchgang. Das Pasinger "Theater Viel Lärm um Nichts" zeigt die Entwicklung der Komödie aus dem Geist des Dionysos-Kults und ihren Weg kreuz und quer durch Jahrhunderte und Epochen. Vom Satyr der Antike zum Arlecchino der Commedia dell' Arte über Shakespeares Rüpel bis zur Höllenshow und den modernen Mimen geht das Spiel, das das Theater zitiert, demontiert, reflektiert und kombiniert zur Liebeserklärung. Margrit Carls "Satyrischer Jahrtausend-Reigen" spielt geistvoll mit literarischen Versatzstücken: Anspielungen, Szenen, Zitaten, von Platons Höhlengleichnis zu Gottscheds trockener Theorie, von Gryphius zu Grimm und Goethe. [...] Der rote Faden verliert sich zwischen groteskem Maskenspiel und absurdem Mummenschanz. Dabei ist Andreas Seyferths Uraufführungs-Inszenierung auf den Trümmern eines Amphitheaters witzig und originell, verblüfft durch gelungene Übergänge, optische Effekte und atemberaubend magische Tableaus in einer fetzig-kabarettistischen Revue. Hier begleitet ein ungeheuer spielfreudiges Ensemble von bocksbeinigen Teufeln und verführerischen Musen den rotnasigen Theaterclown auf seiner Zeitreise. Barbara Welter


Ein Held will das geschwänzte Baby werden, das zwischen Ochs und Esel in die Krippe plumpst. Nur seine rote Pappnase stört dabei ein bisschen. Bis der Held kapiert, dass er doch nur ein Rüpel ist, ein Hanswurst und Komiker, hat er eine Reise durch 2500 Jahre Theatergeschichte hinter sich. Barockes Welttheater, flapsig aufgemotzt [...]: Autorin Margrit Carls hat das Rüpeltreiben mit Anleihen von Shakespeare bis Aristophanes gespickt und schickt das Personal in vielerlei Rollen vom Himmel in Hölle, Hades und das Heute. Peter Schmids kunstvoll beleuchtete Podest-Bühne zitiert ein Amphitheater. Als schwungvollen Anfang inszenierte Andreas Seyferth die Geburt der Tragödie aus dem Dionysos-Kult und einer Kloschüssel. Drei groteske Grazien (Dunja Bengsch, Inga Blümeling, Margrit Carls) begegnen dem Rüpelheld (Martin Cambeis) als Hexen, Feen, Nornen und Allegorien. Auf der Suche nach seinen Ahnen, der eigenen Rolle und dem Bocksschwanz, den er sich von einem Verführer (Hardy Hoosman als aasiger Entertainer) hat abschwatzen lassen, verliebt er sich in eine Eselin, ihm wird der Prozess gemacht, er trifft Herkules. Anspielungen allüberall: Gottsched (Wolfgang Rommerskirchen) plaudert mit dem Macho Rousseau (Winfried Hübner), eine hinreißend hirnrissige Philosophenschule übt Sirtaki und Platons Höhlengleichnis. Musiker Gerrit ten Berk de Boer akzentuiert und untermalt mit magischen Klängen. [...] Ein großes Unternehmen für ein kleines Theater. Gabriella Lorenz


[...] Weil Volk bei Seyferth allemal "Vulgus" heißt, [...] bestimmt denn auch Fäkalhumor das durchgehende Niveau dieses Streifzugs [...], mit dem das Theater "Viel Lärm um Nichts den traurigen Beweis antritt, dass es zugleich staubtrocken und schlüpfrig zu langweilen versteht. [...] Im Übrigen versank der Abend im Wirrwarr aus angestrengter Literaturrevue und unausgegorenem Nummernkabarett. Christopher Schmidt



Fotos: Janine Guldener / Ingrid Theis