DAS ENDE VOM ANFANG

Sean O'Casey

Premiere 20. Dezember 2006



Regie: Eos Schopohl

Assistenz: Katja Niedermayr

mit:

Hardy Hoosman

Robert Spitz

Lucia Nußbächer

Ausstattung: Lucia Nußbächer

Assistenz: Nina Strukamp

Musik: Marcus Tronsberg

Lichtdesign: Jo Hübner

Dramaturgie: Boris Heczko














Fotos: Hilda Lobinger, Ingrid Theis (Flyer)


Das bisschen Haushalt schafft Mann bekanntlich mit links: und während die Gattin die Wiese mäht und die Zeit still steht (Uhr kaputt: der Anfang vom Ende) widmet sich Darry Berryl hingebungsvoll seiner leiblichen und sängerischen Fitness (es gibt da im Dorf eine Alice…) sowie, notgedrungen, den eigenen vier Wänden; assistiert vom beinah blinden Nachbarn Barry Derryl. Die tapferen Ritter des heimischen Reichs im verbissenen Kampf mit der Tücke hinterhältiger Objekte: sie überstehen abstürzende Kannen, blutige Nasen, zerschnittene Finger, ausfallenden Strom – am Ende ist Mann mit den linken Händen dann doch ein bisschen geschafft und das Haus Berryl dem Untergang geweiht…


...und absolut familientauglich!

… Figuren, die der Clowngestalt Chaplins so sehr wie den Narren von Shakespeare ähneln. O'Casey hat uns, versteckt in realistischem Alltagsgeschehen, den Clown als menschliche Grundfigur, die tragisch und lächerlich scheiternden Narrengeschöpfe für das Theater unserer Zeit wiedergeschenkt. Sie spielen, wie Beckett, ihr Spiel, unser Spiel: eine Posse vom Scheitern, lächerlich und tragisch. (Ernst Wendt)


Das Lachen ist Wein für die Seele… Das Lachen ist eine fröhliche Erklärung des Menschen, dass das Leben lebenswert ist. (Sean O'Casey)


PRESSESTIMMEN


NARREN DES ALLTAGS Wie tückisch sind nicht diese Orte, die uns einen trügerischen Schein von Sicherheit und Geborgensein vorgaukeln; in Wirklichkeit aber lauern dort Gefahren und Katastrophen… Zwei Ritter von komischer Gestalt, ein kleiner Runder und ein langer Dürrer, kämpfen vergeblich gegen schmutziges Geschirr, kaputte Lampen und die eigene Ungeschicklichkeit. Die Haushelden schlagen sich tapfer, bis zum seelischen und körperlichen Ruin. Hardy Hoosman und Robert Spitz führen als Darry und Barry eine große Clownnummer auf, versetzt mit Zoten, Slapstick und einem Schuss Tragödie. Dabei gelingt es den Hauptdarstellern unter der Regie von Eos Schopohl, das Tempo kontinuierlich zu steigern und dem Schrecken ein angemessen furioses Ende zu bereiten. SZ

DAS BISSCHEN HAUSHALT …In diesem Einakter des harten Gesellschaftskritikers Sean O'Casey (1880 – 1964) hat, eher untypisch, die Komik des alltäglichen Scheiterns die Oberhand. Da bietet sich unweigerlich eine Slapstick-Inszenierung à la "Laurel und Hardy" an. Aber Eos Schopohl entdeckt in Darrys fatalem Optimismus auch eine Beckett'sche Abgründigkeit … Mit nur den Mitteln des armen freien Theaters hat sich Schopohl eine Menge einfallen lassen… MM


EXPANDIERENDES CHAOS Im Kamin hängen diesmal nicht die Strümpfe, auch wenn Weihnachten vor der Tür steht. Dort klemmt vielmehr Darry Berryl, einen Kuhstrick um den Leib gezurrt… Wer immer sich gerade jetzt nach einem Kontrapunkt zu trauter Besinnlichkeit sehnt, sollte sich in diese Lachnummer…flüchten. …arbeiten die beiden erfolgreich daran, das Chaos Stufe für Stufe expandieren zu lassen, bis die Katastrophe, die vollständige Demontage der kümmerlichsten Ordnungsstruktur, ihre Zuschauer vor Lachen fast ersticken lässt. Wie Hoosman langbeinig über Tellerscherben stakst, Darry wie ein Affe am Kabel der Küchenlampe schwingt, während Barry mit dem Küchentisch unter ihm durchrutscht – das ist einfach zum Schreien komisch… MM Würmtal


ZWEI FREUNDE MIT VIER LINKEN HÄNDEN Nein, es ist keine gute Idee, Glühbirnen auf zwei Stühlen balancierend auszuwechseln. Und nein, die Rasierklingen sollten nicht auf dem Kaminsims liegen bleiben. Aber ja, das Leben braucht das Risiko, um unterhaltsam zu sein, zumindest für diejenigen, die zuschauen… Auf einen fatalen Rollentausch lässt sich Landwirt Darryl mit Gattin Lizzie (knackiger Kurzauftritt: Lucia Nußbächer als Hausdrachen) ein… Was folgt, ist die genüssliche Beschädigung von Mann und Material. Regisseurin Eos Schopohl lässt ihr wunderbares Komikergespann…gekonnt ins Minenfeld des Haushalts tapsen… "Lachen ist Wein für die Seele", meinte O'Casey einst. Der Abend sorgt für einen soliden Schwips. AZ