DER PARASIT

Friedrich Schiller

Strategie zum Erfolg

Ein Lustspiel nach dem Französischen des Picard

Premiere: 8. April 1994


Regie: Daniel Friedrich Bühne: Annabelle Pörtner



mit

NARBONNE, MINISTER

Bernd Dechamps

MADAME BELMONT, SEINE SCHWIEGERMUTTER

Gudrun Gundelach

CHARLOTTE, SEINE TOCHTER

Sima Bürgin

SELICOUR

Rainer Guldener

LA ROCHE

Andreas Seyferth

FIRMIN

Rainer Haustein

KARL FIRMIN, SEIN SOHN

Wolf Friedrich

MICHEL, KAMMERDIENER DES MINISTERS

Jan Koester

ROBINEAU, SELICOURS VETTER

Markus Hummel



"Der Zweck heiligt die Mittel."


[...] Die Schleimspur der Heuchler, Schmarotzer und skrupellosen Karrieristen zieht sich quer durch die Jahrhunderte. So hat der Franzose Louis Picard mit seinem Lustspiel "Der Parasit" ein Stück verfasst, das heute noch so aktuell ist wie 1797. [...] Heute wird es kaum mehr gespielt, es sei denn von unablässigen Aufklärern wie Hansgünther Heyme oder aufgeweckten Regiedebütanten wie Daniel Friedrich. Friedrich, zu Beelitz-Zeiten Schauspieler am Residenztheater, hat offenbar einiges gelernt von George Tabori und anderen Regisseuren, mit denen er gearbeitet hat: Seine Erstlingsinszenierung hat Verve, Witz und sehr viel Tempo. Das Erfrischendste daran: Sie vertritt keinen Saubermann-Anspruch, sondern blitzt vor Ironie. Friedrich hat das Stück vom feudalistischen Hof ins heutige Bürokratenmilieu verlagert. Die Bühne, von Annabelle Pörtner kunstvoll grau in grau gestaltet, zeigt den sterilen Eingangsbereich eines Ministeriums. Wichtigster Ausstattungsgag ist ein Aufzug, der bei Betätigung wie ein Spielautomat röhrt. Karriere, man hört's, ist ein Glücksspiel: Wer, wie Selicour, die besten Tricks kennt, kommt nach oben. Rainer Guldener ist kein schillernder Klischee-Bösewicht, kein dämonischer Oberfiesling. Er spielt den Selicour als flackernden, tänzelnden Streber, der aalglatt und sehr charmant sein kann. [...] Auch die anderen Hauptfiguren sind stark besetzt: Rainer Haustein als Firmin ist der Traum eines jeden Chefs. Ihm sieht man die Anständigkeit schon im Gesicht an, ein Musterbursche, wirklich wahr. Ähnlich Bernd Dechamps als Minister: der pure Gentleman, ein Ausbund an Gelassenheit und Ruhe, ein Idealpolitiker. Der Witzbold des Abends ist Andreas Seyferth im Columbo-Outfit. Nervös, voller Angst vor dem eigenen Furor, wuselt er den kleinen Angestellten La Roche auf die Bühne. Der ist der Vetternwirtschaft Selicours zum Opfer gefallen und schwingt sich nun zum Rächer auf, zum komischen Firmen-Zorro. Am Ende siegt mit ihm die Gerechtigkeit. So muss es auch sein im Superwahljahr, wenigstens auf der Bühne. Christine Dössel


[...] Daniel Friedrich rückte mit einem glänzenden Regiedebüt die Betrügerschmonzette von 1803 leicht und locker ins Heute. [...] Stimmig und sparsam, mit witzigen, unaufdringlichen Einfällen... Gabriella Lorenz


[...] Andreas Seyferth schlurft inmitten der Bürokraten als herrlich verschlampter, knautschiger La Roche herum, mampft Magenpulver und raucht hektisch. Rainer Hausteins Firmin ist der Inbegriff des pedantischen, phantasielsoen Beamten. Steif und korrekt geht er seiner Berufung nach, dem Dienen. Triefend vor falscher Bescheidenheit und heuchlerischen Gefühlen schleimt und biedert Rainer Guldeners Selicour sich an, nicht ohne höhnische Bösartigkeit aufblitzen zu lassen.

Männer auf der Jagd nach Geld, Erfolg und schönen Frauen, wobei Ihnen kein Weg zu krumm und kein Umweg zu billig ist. Frauen als hübsche, nichtssagende Staffage oder halbverrottete Karriereleiter. Daniel Friedrich stellt in seinem geglückten Regiedebüt genau und präzise die Atmosphäre von Großbanken und Chefetagen dar, garniert mit bösartig komischen Miniaturen. [...]

Christiane Wechselberger