Was ihr wollt

WILLIAM SHAKESPEARE

Premiere 29. Dezember 2011


Ausgezeichnet mit dem "AZ-Stern der Woche"



mit Hubert Bail Theresa Bendel Hannes Berg Margrit Carls Deborah Müller Andreas Seyferth Katrin Wunderlich

Regie: Seyferth / Carls Ausstattung + Licht: Stephan Joachim Komposition: Marcus Tronsberg Übersetzung: Margrit Carls Flyer: Martina Körner







Ein Herr O. liebt eine Frau O. Frau O. hingegen liebt einen Herrn C. , der wiederum sein Herz an Herrn O. hängt. Und ach ja: Herr C. ist eigentlich Fräulein V. ... ...womit soweit alles gesagt wäre.

Sonst gäb 's da noch einen eifrigen Hüter von Moral & Ordnung, der auch wen liebt und sich zur Gaudi aller unsterblich lächerlich macht. Wie 's halt so geht. In der 'Liebe'. Und dann noch einen, der ist zu blöd, um geradeaus zu gehen, meint aber auch, jemanden lieben zu müssen (zumindest ehelichen).

Ein Käfig voller Narren. Nur der, der sich Narr nennt: der ist gar keiner. Ein wahnwitziger Geist weht durch den Schauplatz dieses Kunst-Stücks, 'Illyrien', an dessen Strand es eine junge Frau nach einem Schiffbruch spült. Ihren Zwillingsbruder fraß das Meer (glaubt sie). 'Gefräßig wie das Meer', glaubt der Landesfürst, 'sei seine Liebesleidenschaft zur jungen Gräfin'. Die jedoch will sich für die nächsten 7 Jahre in Trauer panzern (ihr Bruder starb wohl definitiv). Die junge Gestrandete mutiert zum jungen Mann in Diensten des Fürsten, dem sie auf der Stelle verfällt, während er sie/ihn zum Liebesboten kürt, ausersehen, der Gräfin die fürstliche Passion vorzuagieren. Was deren Panzer schmelzen lässt, doch nicht in Richtung Fürst…

Sinnenwahn und Wahnsinn, Obsession und Amour fou, die Welt als Wahn und Täuschung. Ob Männlein oder Weiblein, wahre oder irre Liebe: Alles zerfließt; kein Halt, nirgends. 'Nichts, was so ist, ist so' spricht der Narr sehr weise.

Man stelle sich einen Zerrspiegel in unruhig kreiselnder Bewegung vor, so hat man das Spielzeug, das Shakespeare mit WAS IHR WOLLT geschaffen hat. (Harold Bloom)



WAS IHR WOLLT_spielfassung
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Die 'Zwölfte Nacht'...

… nach Weihnachten: der 6. Januar; auch:

'Epiphanias' ('Erscheinung'); 'Hochneujahr';

Höhepunkt der 'Rau(h)nächte' mit der 'Wilden Jagd';

die Nacht, in der man sich 'Stärk' antrinken' tat fürs Jahr

und schließlich 'Dreikönigsfest'

mit dem Brauch des Dreikönigskuchens ('King Cake')

samt eingebackenen Glücksbringern.

In der englischen Tradition war die Zwölfte Nacht

Höhepunkt und Abschluss weihnachtlicher Lustbarkeiten

mit ausufernd karnevaleskem Treiben:

Unter Leitung des 'Lord of Misrule' stand die Welt Kopf,

wurden die Grenzen von Geschlecht und Status überschritten –

bis der Kater des nächsten Tages die Ausschweifer

in die eigenen Schranken zurückholte…

Shakespeares Komödie 'Twelfth Night' (Untertitel 'What You Will')

wurde als Zwölfte-Nacht-Unterhaltungsstück geschrieben.

Die erste registrierte Aufführung fand am 2. Februar (Lichtmess) 1602 statt.



PRESSESTIMMEN


Wenn Musik Nahrung für Liebe ist: mehr!

[...] Die Bühne war schneebedeckt und auf den Spiegeln hatten Wind und Frost Reifkrusten hinterlassen. Ein Klavier neben der Gasse fungierte als Musikinstrument und als Rückzugsfeste, von der aus das Spiel von den gespannten Darstellern beobachtet wurde. Aus einem Berg übereinander geschichteter Stühle wurden peu à peu die Orte geschaffen, an denen die Handlungen stattfanden. Die Szenerie atmete die Poesie eines Wintermärchens.


Dass die ganze Geschichte nicht in die Bumsfidelität kippte, zu der Inszenierungen dieses Shakespeare-Juwels nicht selten neigen, lag in erster Linie am Text von Margrit Carls, der Derbes ebenso wenig aussparte wie Frivoles, der zeitgenössischer Sprache und Denken viel Raum zugestand. Dieser Text atmet intellektuelle Kühle, was der Wortkomik keinen Abbruch tat, jedoch verhinderte, dass Kicherkomik aufkam. Es wäre leicht gewesen, dass Publikum zum hemmungslosen Schenkelklatschen zu verführen. Stattdessen erlebten die Zuschauer eine zauberhafte Geschichte, deren Komik mit dem Salz der Erkenntnis gewürzt war. Die Lieder und Musik- und Klangeinlagen (Komposition: Marcus Tronsberg) waren organisch ins Gesamtbild eingebettet und entsprachen den Harmonien der Inszenierung des wohl musikalischsten Stückes von Shakespeare. Es gab zudem etliche besinnliche Momente, insbesondere durch Margrit Carls als Narr, was die besondere Qualität unterstrich.

Mit dem Premierenabend feierte das Theater Viel Lärm um Nichts fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Es war ein guter Wurf, den die Regisseure Seyferth und Carls zuwege brachten. Zudem war an dieser Inszenierung sehr deutlich ein Theaterkonzept abzulesen, wie ich es seit nunmehr zehn Jahren kenne. Dazu gehört, dass die Theatermacher im Viel Lärm um Nichts stets einen sehr hohen Anspruch in der Auswahl der Stücke und in der ästhetischen Umsetzung verfolgen. Damit gingen sie immer ein erhöhtes Risiko ein, das jedoch kein künstlerischer Hochmut war, sondern ehrliches Ringen um Theater, das dem Zuschauer nicht hinterher läuft. Wer hoch pokert, kann viel verlieren. Auch im Viel Lärm um Nichts gab es solche Abende. Doch die sind längst vergessen. Im Gedächtnis sind Inszenierungen geblieben, die trotz beschränkter Mittel den Rahmen auf erstaunlichste Weise sprengten, ohne jemals vordergründig spektakulär sein zu wollen. Im Bewusstsein der Münchner Theatergänger hat das Theater in der Pasinger Fabrik einen festen Platz. So sei den Machern für die Zukunft frei nach Shakespeare zugerufen: Wenn Theater der Seele Nahrung ist, spielt weiter! Viel Erfolg weiterhin! Wolf Banitzki / theaterkritiken.com

Tausend Gesichter

[...] Volle zwei Stunden lang brillieren die sieben Schauspieler in ihren Rollen, verkörpern Komik wie Tragik, Gelassenheit wie Wahnsinn, Männlein wie Weiblein [...] Die deckenhohen Spiegel machen das schizophrene Rollenlabyrinth perfekt. Die Dialoge wechseln vonReim zu Prosa, sind ebenso melodisch wie skurril. Hier entfaltet sich Shakespeares Virtuosität auf ganzer Linie [...] Für so viel Können gibt es vom Publikum begeisterten Applaus.

Melissa Strauch/ SZ


Kunstschnee-Spiegelungen

Jubiläumsjubel: "Was ihr wollt" im Theater Viel Lärm um Nichts

Shakespeare ist Namensgeber, Lehrmeister und Hausautor des Theaters Viel Lärm um Nichts - seit 25 Jahren. So war es Pflicht und Kür, dass die Theatergründer Margrit Carls und Andreas Seyferth das Jubiläum mit einer Shakespeare-Inszenierung feierten. Mit "Was ihr wollt" zeigen Seyferth und Carls in Bestform alles, was dem Theater Viel Lärm um Nichts seine unverwechselbare Farbe in der Münchner Theaterszene gibt. Eine kluge, straffe Bearbeitung, die mit Doppelbesetzungen auch Shakespeares Doppelbödigkeit der Verwechslungskomödie unterstreicht, und in minimalistischer Ausstattung die Abgründe hinter der Komödiantik enthüllt. Einer Anekdote zufolge soll Shakespeare Anfang Januar 1602 auf die Frage nach dem Titel seines neuen Stücks entnervt geantwortet haben: "Ach, nennt es doch die 12. Nacht oder was ihr wollt." Der Titel blieb. Die 12. Nacht ist die letzte der Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, diese Raunächte galten immer als Zeit der Geister, Mythen und Magie. In Shakespeares Stück spielt das zwar keine Rolle, aber Seyferth und Carls machen die unheimliche Winterzeit zum Bildrahmen ihrer Inszenierung. Ausstatter Stephan Joachim lehnt rundum hohe Spiegel an die Wände: Alles spiegelt sich und nichts ist, wie es scheint. Frostiger Kunstschnee empfängt die schiffbrüchige Viola (Deborah Müller) im fremden Land, wo sie sich als Mann Cesario verkleidet beim Herzog Orsino verdingt und schnell zu dessen Vertrautem und seinem Liebeswerber bei der spröden Olivia wird (Katrin Wunderlich spielt Orsino und Olivia mit Schleierwechseln). Wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr: Olivia verguckt sich in Cesario, Viola in Orsino. Letzte Rettung aus der Geschlechtermaskerade muss ein Zwillingsbruder bringen. Unrettbar in Liebe verloren ist auch Olivias Hausmeister Malvolio (Hubert Bail), mit dem die gewitzte Haushälterin Maria (Theresa Bendel) ein böses Spiel treibt, unterstützt von den komischen Saufkumpanen Toby (Andreas Seyferth) und Andrew (Hannes Berg auf schwindelerregenden Plateausohlen). Und Margrit Carls als melancholischer Narr besingt zur Ukulele den Regen, "der regnet jeglichen Tag". Das Leben ist keine Komödie. Schon gar nicht bei Shakespeare. Beim Theater Viel Lärm um Nichts dann doch - mit Einblicken in düstere Tiefen. Gabriella Lorenz / AZ (Stern der Woche)

Liebes-Spiel-Arten

Theater „Viel Lärm um Nichts“ stürzt sich mit „Was Ihr wollt“ ins Verwirrspiel

Pasing – Die Liebe in all ihren Irrungen und Wirrungen und das Chaos, das damit einhergeht: Bei der Premiere von Shakespeares „Was Ihr wollt“ im Theater "Viel Lärm um Nichts" in der Pasinger Fabrik war dies der rote Faden des umjubelten Abends. Illyrien, ein wundersames Eiland, das erfüllt ist von Liebe und Musik, ist der Ort des Geschehens. Als Bühnenkulisse dienen lediglich ein paar Stühle und ein Berg von Kunstschnee. [...] Shakespeare führt einem hier vor, wie viele Varianten der Liebe es gibt, wie die einzelnen Individuen darauf reagieren und wie jeder das sieht, was er sehen will. Die Schauspieler in der Pasinger Fabrik setzen das meisterhaft um, allen voran wieder einmal Margrit Carls als Hofnarr, die gemeinsam mit Andreas Seyferth (Sir Toby) Regie geführt hat. Die beiden sind nicht nur Gründer und Gesellschafter des Theaters – sie bilden den Kern desselben und legen ihren Schwerpunkt immer wieder auf die Klassiker und hier insbesondere auf Shakespeare. Dass sie ein Faible für Geschichten haben, die existentielles menschliches Erleben auf absurde und teils schräge Weise vermitteln, war auch an diesem Abend erkennbar. Das Theater sieht den englischen Literaten seit Jahren quasi als Hausautor und Lehrmeister und widmet sich in "Was Ihr wollt" aufs Neue mit spürbarer Begeisterung dessen Texten. Margrit Carls war auch noch für die Übersetzung zuständig, hat dabei der Versuchsanordnung der Liebes-Spiel-Arten auf der Insel gekonnt die richtigen Worte verliehen. Zwar sitzt sie als Narr die meiste Zeit als stiller Beobachter am Rand. Die Kommentare, die sie von Zeit zu Zeit einwirft – ironisch und gleichzeitig weise – haben es allerdings in sich: Zu Recht bezeichnet sich die studierte Schauspielerin hier als "Wortverdreher" des Herzogs. Und wenn dann Sir Andrew (Hannes Berg) in weißen Lacklederstiefeln auf absurd hohen Absätzen und Malvolio (Hubert Bail) in gelben Strümpfen ihre Pirouetten im Wind drehen, wird das Verwirrspiel perfekt ergänzt von Katrin Wunderlich (Orsino/Olivia) und Deborah Müller (Viola/Sebastian), die in ihren jeweiligen Doppelrollen brillieren. So bieten sie ein vergnügliches Experiment im Umgang mit der Fülle der menschlichen Gefühlsmöglichkeiten. Martina Scheibenpflug / Münchner Merkur



Fotos: Hilda Lobinger