Macbeth

Shakespeare

Premiere 24. November 2001


Regie + Raum: Ioan Toma

mit

Andreas Seyferth

Margrit Carls

Wolf Friedrich

Geige: Anna Zlosovskaya

Lichtdesign: Jo Hübner

Übersetzung + Fassung: Margrit Carls


theater Viel Lärm um Nichts bittet zur Tafel

Auf der Speisekarte:Macbeth

Kreation:William Shakespeare

Motto:Fair ist foul und foul ist fair


Die Gänge im Einzelnen:

When shall we three meet again *Hexen an Heide*

Mörderische Phantasien . Blutige Hände

Trunkener Pförtner im Schlafrock *Knockin' on hell's door*

Nacht frisst Tag

Bankett mit einem Toten

Süße Vorschau mit bitterem Nachgeschmack

Finale Schlachtplatte

Das Menü wird begleitet von angemessener Tafelmusik


Das Böse hat ein menschliches Gesicht!

LEBEN IST NUR BEWEGTES SCHATTENSPIEL EIN ARMER KOMÖDIANT, DER SICH SEIN STÜNDLEIN AUF DER BÜHNE BLÄHT UND QUÄLT UND DANN NIE MEHR ZU HÖREN IST: NE AMMENMÄR, ERZÄHLT VON EINEM SCHWACHKOPF, VOLL GETÖN UND GEIFER, UND BEDEUTET: NICHTS.




PRESSESTIMMEN


Gräuel, Krieg und Königsmord als ein politisch-öffentliches Geschehen: Das Publikum sitzt mit dem Meuchelmörder am Festbankett, prostet sich mit Wein zu, den das verschwörerische Paar Macbeth, Andreas Seyferth und Margrit Carls, serviert hat. Es hört die Radiobeiträge, ihm werden die Zeitungsmeldungen vorgelesen – und es unternimmt nichts, es klatscht. Der Regisseur Ioan Cristian Toma verwandelt den Theaterraum in eine mächtige Tafel, die gleichzeitig als Podest fungiert für die Schauspieler. Darum herum gruppieren sich die Zuschauer in zwei Reihen, was ein wenig an die Rundbühne im Globe Theatre Shakespeares erinnern soll. Gleichzeitig entsteht unter der weißen Tischdecke eine zweite (Sinn-) Ebene. Der tragende Pfeiler, um den der Abgrund sichtbar wird, bildet auch konzeptionell das Spielzentrum des Stücks. Die lebensnahe Inszenierung konzentriert sich auf die Tragik der Titelfigur. Seyferth macht sie nicht zum Tyrannen; sein Macbeth ist ein weichlicher, verletzlicher Kater mit hängenden Schultern, gehemmtem Blick, geblendet von Silbertabletts. Er panzert sich mit einer Lederweste, einem langen Mantel und seiner scheinbar pragmatischen Frau: „Das Böse hat ein menschliches Gesicht.“ Neu eingeführt wird die schwarz gekleidete Geigerin, Anna Zlosovskaya, die zum Totentanz um Macbeths Gewissensqualen aufspielt, die Vereinzelung, Entfremdung, den Einbruch des Unheils mit ihrem Bogen unterstreicht. Wie das personifizierte Fatum pocht sie an die Violine. Jo Hübners Lightdesign verstärkt die irreale Hexenstimmung, zaubert fantastische Streifen um Seyferths Augenpartie, lässt warme, goldgelbe Blitze zucken und stellt den schlaflosen Visionär auf ein blasses Lichtkreuz. Die Kerzen des Schattenspiels Leben werden gelöscht. Macduff, dargestellt von Wolf Friedrich, proklamiert der Welt die fragwürdige Freiheit, die Unterweltsgestalten kichern böse. SZ


Shakespeares „Macbeth“ gehört zu den am meisten gespielten Theaterstücken der Welt. Mit unheimlicher Modernität angereichert, scheint die vielschichtige Aussage dabei auf ein einziges Ziel zuzusteuern: Den Zwiespalt zwischen Vernunft und Macht, zwischen Wissen um den eigenen Abgrund und dem Unvermögen, zu widerstehen. Am Ende des Stückes stehen Wahnsinn und Tod. Dieser Folie wird auch die Inszenierung des Pasinger „Theaters Viel Lärm um Nichts“ gerecht, zurzeit in der Fabrik. Schön etwa die Idee, große Teile des Stückes als Nachrichtentexte aus dem Radio zu präsentieren und die Schlachtutensilien moderner Kriegsführung zu entnehmen… Wahnsinn in der heutigen Zeit, so das Anliegen der Aufführung, steht eben unter den Vorzeichen anonymen Sterbens und der durch Medien und Propaganda bedingten Entfremdung. Andreas Seyferth als Macbeth, Margrit Carls als Lady Macbeth, Wolf Friedrich in der Rolle des Banquo und Macduff, müssen mit ihrer Inszenierung den internationalen Vergleich nicht scheuen… Münchner Merkur